
28.07.2010
Bad Freienwalde (moz) Auf der Spielwiese der Bad Freienwalder Jugendherberge im Hammertal stehen zurzeit ein Tipi und zwei Gemeinschaftszelte. Der Naturschutzbund (NABU) Barnim veranstaltet zusammen mit dem Barnimer Jugendwerk aus Zepernick zwei je einwöchige Naturcamps mit Kindern im Alter von sieben bis 13 Jahren. Andreas Richter vom NABU will den Kindern den Respekt vor der Natur vermitteln. Volker Nagel, Betreiber der Jugendherberge, die hauptsächlich von Schulklassen lebt, kann dadurch deren Auslastung in den Sommerferien verbessern.
Gemeinsames Lernen steht im Vordergrund des Naturcamps. „Haben wir da eine neue Art Wasserläufer mit roten Punkten entdeckt? Die kenne ich ja noch gar nicht“, wunderte sich Manfred Klesse, Insektenkundler aus Bad Freienwalde, als gestern ein Junge stolz seine Beute zeigte, die er mit einem feinporigen Kescher aus dem Teufelssee gefiltert hatte. Der kleine See liegt mitten im Wald, 200 Meter oberhalb der Jugendherberge. Die winzigen roten Punkte auf dem Wasserläufer seien Spinnmilben, klärte Gabriele Breest-Grohnwald, Umweltpädagogin vom Barnimer Jugendwerk, auf. Neun Jungen aus Berlin, Panketal und Frankfurt (Oder) lernen in dieser Woche Fauna und Flora in und um Bad Freienwalde kennen. Beim zweiten Durchgang kommende Woche seien Eberswalder, Wriezener und Neutrebbiner Jungen und Mädchen dabei, sagte Andreas Richter vom NABU Barnim, der im Forstbotanischen Garten in Eberswalde arbeitet und dort Besucher führt.
Mit der Bad Freienwalder Jugendherberge, dem Haus der Naturpflege und dem Barnimer Jugendwerk habe er geeignete Partner für die Naturcamps gewonnen. Nach den Erfahrungen des ersten Naturcamps im vergangenen Jahr setze er die erfolgreiche Arbeit mit dem Bad Freienwalder Herbergsbetreiber fort, sagte Richter.
Nagel hatte Dienstagvormittag zusammen mit den Kindern ein Floß aus vier Tonnen und dünnen Holzstämmen gebaut. Mit dem Floß paddelten Kinder und Betreuer auf den Teufelssee hinaus, um Wasserproben zu nehmen und mit dem Kescher Wasserinsekten zu fangen. Ein Rettungsschwimmer verfolgte vom Ufer aus das Geschehen, um im Notfall helfen zu können.
„Die Kinder sollen den behutsamen Umgang mit der Natur lernen“, erläuterte Richter. Nach der Analyse der Insekten unter der Lupe werden sie wieder freigelassen. Der erste Kontakt mit der Natur löste bei den Stadtkindern Entsetzen aus. Die Zelte haben keinen Boden, so dass unter den Iso-Matten das Gras wuchert. Für die Analyse der Wasserproben hat das Barnimer Jugendwerk im Tischtennisraum der Jugendherberge ein kleines Labor mit Mikroskopen aufgebaut.
Die Kinder wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die 9- und 10-Jährigen, die „Wasserflöhe“, suchen nach diesen Insekten im Hammerfließ, die 11- bis 14-Jährigen, die „Piratspinnen“, haben es auf diese Tierart im Teufelssee abgesehen. Am Freitag werden sie ihre Ergebnisse präsentieren.
Den Montag verbrachten die Kinder im Haus der Naturpflege, wo sie lernten, gesundes Essen wie Kräuterquark und Zucchinipuffer zuzubereiten..
„Mir gefällt es hier ganz gut“sagte Dominic Caetano (13)aus Berlin. Er habe schon gelernt, dass er Insekten nicht einfach töten dürfe. „Ich finde es spannend, weil ich das erste Mal mit Kindern zusammenarbeite“, so Betreuerin Tatjana Schröder (19) aus Mahlow. Inhaltlich habe sie bei dieser Freizeit schon mehr über Krabbeltiere gelernt als jemals im Biologieunterricht in der Schule.
Für die Bad Freienwalder Jugendherberge seien diese Camps eine gute Möglichkeit, die Ferien zu überbrücken, sagte Nagel. Die Jugendherberge lebe hauptsächlich von Schulklassen und Familienausflügen. Ansonsten machten vor allem einzeln reisende Radfahrer, Motorradfahrer und Autofahrer Station. Wanderer kämen selten, weil die Region keine internationalen Wanderwege kreuzen.
Kinder von 7 bis 10 Jahren können sich noch fürs Naturcamp nächste Woche unter 0151 10088604 (Jugendherberge) anmelden.